Myofunktionelle Therapie (MFT)

Was ist eine Myofunktionelle Störung (MFS)

Die Myofunktionelle Therapie (MFT) hat ihren Ursprung in den USA, wo sie anfangs des 19. Jahrhunderts durch Kieferorthopäden praktiziert wurde. Das Ziel der Myofunktionellen Therapie ist, das muskuläre Gleichgewicht der Gesichts- und Kaumuskulatur unter Berücksichtigung der Körperhaltung wieder herzustellen. Das Erscheinungsbild von myofunktionellen Störungen ist vielfältig. Die Kinder atmen durch den Mund, zeigen oft eine Aussprachestörung (z.B. lispeln), die Zunge liegt schlaff im Unterkiefer oder zwischen den Zähnen, der Speichel tropft aus dem Mund und der Zungenvorstoss beim Schlucken verursacht einen offenen Biss.

Eine myofunktionelle Störung im Mund- und Gesichtsbereich hat nach meiner Auffassung immer gesamtkörperliche Auswirkungen und wird nie isoliert betrachtet und therapiert. Das orofaziale System d.h. der Mund- und Gesichtsbereich ist Teil von verschiedenen Muskelketten, die den ganzen Körper durchlaufen. Die Faszien hüllen diese Ketten ein und bilden ein zusammenhängendes System. Faszien sind ein Netzwerk aus Bindegewebshüllen und bilden ein "stützendes und haltendes" Gewebegeflecht, das dem Körper seine Form gibt. Neue Erkenntnisse aus der Forschung bestätigen, dass sich Fehlfunktionen an einer Stelle im Körper über die faszialen Verbindungen auf andere, auch weiter entfernte Körperteile auswirken. 

In meiner Therapie wende ich hauptsächlich das «Basler-Lällekonzept» der Myofunktionellen Therapie sowie die «körperorientierte Sprachtherapie k-o-s-t ®» nach Dr. S. Codoni an, welche sich durch den ganzheitlichen und aufbauenden Ansatz auszeichnen. Der interdisziplinäre Austausch mit verschieden medizinischen Fachdisziplinen (Zahnmedizin, Kieferorthopädie, Kieferchirurgie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Physiotherapie, Logopädie, funktionelle Optometrie etc.) hat in meiner Therapie einen hohen Stellenwert. Der Behandlungsplan ist zielbezogen und individuell, erfolgt immer unter Einbezug der Eltern und auf die Unterstützungsmöglichkeiten abgestimmt, um so ein erfolgreiches und rezidivfreies Ergebnis zu erzielen.

Menschen jeden Alters können von myofunktionellen Störungen betroffen sein. Ein häufig auftretendes Beschwerdebild bei Erwachsenen ist die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Durch Zähnepressen und -knirschen werden Zahnabrasionen verursacht. Eine erhöhte Spannung der Kau-, Hals-, Nacken- und Schultermuskeln ist eine häufige Folgeerscheinung und kann bis hin zu Kiefersperren und -klemmen führen. Schmerzen strahlen weit über das Ursachengebiet hinaus. Durch aktive Mitarbeit des Patienten werden Spannungen abgebaut.

Heute findet die Myofunktionelle Therapie immer mehr Anwendung in Fachgebieten wie Logopädie, Zahnmedizin, Kieferorthopädie, Hals-Nasen-Ohren Heilkunde.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Myofunktionelle Störungen stehen immer in Wechselwirkung mit dem ganzen Körpersystem und werden nie isoliert betrachtet und behandelt. Aus diesem Grund erfolgt häufig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Kommunikation mit weiteren Fachbereichen:

  • Kieferorthopädie / Zahnmedizin
  • Hals-Nasen-Ohren Heilkunde
  • Pädiatrie
  • Physiotherapie
  • Logopädie
  • Augenarzt / Funktionelle Optometrie

Mögliche Ursachen für eine Myofunktionelle Störung

  • Vergrösserung der Gaumen- und Rachenmandeln oder der Zunge selbst
  • Allergien behindern die Nasenatmung
  • Gesichtsmissbildungen (z. B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalte)
  • Angeborene neurologische Störungen (z. B. Cerebralparese)
  • Skelettale Anomalien
  • Zu kurzes Zungenbändchen
  • Syndrome (z. B. Trisomie 21)
  • Nicht altersentsprechende Nahrung in Breiform vermindert die adäquate Kräftigung der Kaumuskulatur
  • Daumenlutschen, Nuggi, Nägelkauen etc.
  • Entspannende Medikamente und Stress können den Muskeltonus verändern
  • Flaschenernährung vermindert das Training der Mundmuskulatur

Einsatz von Myofunktioneller Therapie (MFT)

  • Bei einem «infantilen Schluckmuster» (Zungenvorstoss beim Schlucken)
  • Abbau von schlechten Gewohnheiten: Daumenlutschen, Nägelkauen u.a.
  • vor / begleitend / nach einer kieferorthopädischen Behandlung (Zahnspange)
  • vor / nach einem kieferchirurgischen Eingriff (Operation)
  • Kiefergelenks- und Muskelbeschwerden (Knirschen, Pressen)
  • Funktionelle Stimmstörungen / Sprechmotorische Störungen
  • Trisomie 21 und weitere Syndrom Erkrankungen
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
  • Tumorpatienten
  • Träger von Zahnprothesen, die über mangelhaften Halt und über eine feuchte Aussprache klagen
  • Ausspracheschwierigkeiten (z. B. Lispeln), die auf ein Muskeldefizit zurückzuführen sind

Wie verläuft eine MFT?

Zunächst werden viele Puzzleteile zusammengetragen: Geschichte, Beobachtungen, Körpertests, Messungen und evtl. weitere Abklärungen in anderen Fachrichtungen empfohlen. Anhand der Ergebnisse wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Den Start bildet oft der Abbau von Gewohnheiten (z. B. Nägelkauen, Daumenlutschen etc.) rund um den Mund. Wahrnehmungstraining und Haltungsaufbau schliessen sich an. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, beginnt erst die eigentliche Arbeit am und im Mund.

Bei Minderjährigen ist zu Behandlungsbeginn die Begleitung einer Bezugsperson erwünscht, um das Verständnis für die Therapiearbeit zu vertiefen. Später wird diese Form jedoch von der Partnerarbeit zwischen Therapeutin-PatientIn abgelöst. Selbstverständlich erhält die Bezugsperson immer alle notwendigen Informationen.

Welche Besonderheit weist die MFT auf?

Die MFT ist eine aktive Therapie, d.h. es muss daheim täglich geübt werden, wozu die Unterstützung der Eltern ein Grundstein bildet. Schritt für Schritt vorangehen, Teilziele anstreben, kleine Erfolge feiern und dabei immer das grosse Ziel im Auge behalten, nährt die notwendige Konsequenz des Übens.

Wie lange dauert eine MFT?

Die Dauer einer MFT ist abhängig vom Ziel und dem Weg dahin. Zu Beginn erfolgen die Sitzungen im Rhythmus von 2 Wochen, später können auch grössere Abstände entstehen. Bis zur bewussten Veränderung und deren unbewussten Umsetzung im Alltag können bis zu zwei Jahre vergehen. Es gilt jedoch der Grundsatz: Je häufiger geübt wird, desto schneller gelangen Sie und Ihr Kind ans Ziel!

Wie ist die Kostenübernahme geregelt?

Die MFT wird von der Zusatzversicherung der Krankenkasse übernommen. Sie brauchen jedoch eine Überweisung von einem Kieferorthopäden, Zahnarzt, Kinderarzt o.a. Um Klarheit zu schaffen, erkundigen Sie sich vor Therapiebeginn bei Ihrer Versicherung.

k-o-s-t® körperorientierte Sprachtherapie

Die körperorientierte Sprachtherapie (k-o-s-t®) - entwickelt von Frau Dr. h.c. Susanne Codoni -  beruht auf ihrer jahrelangen Erfahrung als Logopädin und Myofunktionstherapeutin.

Die Praxis hat gezeigt, dass Auffälligkeiten im orofazialen System immer in Wechselwirkung mit dem ganzen Körper stehen. Die Zunge ist Teil des orofazialen Systems und ist in ein Umfeld von Muskelketten und Bingegewebe eingebettet, die den ganzen Körper durchlaufen. Die Faszien hüllen diese Ketten ein und bilden ein zusammenhängendes System. Faszien sind ein Netzwerk aus Bindegewebshüllen und bilden ein "stützendes und haltendes" Gewebegeflecht, das dem Körper seine Form gibt. Neue Erkenntnisse aus der Forschung bestätigen, dass sich Fehlfunktionen an einer Stelle im Körper über die faszialen Verbindungen auf andere, auch weiter entfernte Körperteile auswirken. Kinder und Erwachsene mit Auffälligkeiten und Störungen in der Sprache, Schlucken und Stimme zeigen häufig Dysbalancen im Körper, sei es an der Wirbelsäule, Becken oder an den Füssen. Für das Sprechen, die Stimme und das Schlucken spielen Körperspannung und Atmung eine zentrale Rolle. Die körperorientierte Sprachtherapie ist eine effiziente Basistherapie, die begleitend bei myofunktionellen Störungen und muskulären Dysbalancen eingesetzt werden kann. Die funktionellen Stimulationen von Fuss bis Kopf sind anregend, aufbauend, wohltuend und k-o-s-t ® unterstützt die Körperstabilisierung. k-o-s-t®  ist ein ganzheitliches Basiskonzept unter Berücksichtigung biologischer, neurologischer und physiologischer Grundlagen, dem individuellen Entwicklungsstand und den Ressourcen des Patienten angepasst. 

Das Konzept baut auf den 4 Säulen auf:

1. Patientenbeobachtung

2. Diagnostik

3. Kommunikation

4. Manuelle Therapie

Indikationen k-o-s-t®

  • Vorbereitung zur myofunktionellen Therapie
  • Störungen mit ursächlicher funktioneller Beteiligung
  • Sprech-, Schluck und Stimmstörungen, Redeflussstörungen
  • Fehlatmung / Hochatmung
  • offene Mundhaltung
  • Syndrome
  • Kiefergelenksschmerzen
  • Gesichtsschmerzen
  • Nach operativen Eingriffen im Gesicht
  • Funktionsstörungen im Kaussystem
  • Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten
  • ungenügendem Halt bei Zahnprothesen